Studie

Im Rahmen dieser Untersuchung wurde am „lebenden Objekt“ experimentiert: eine vom Autor realisierte interaktive Klanginstallation mit dem Titel Nanutek diente als Versuchsumgebung für die durchgeführte empirische Rezeptionsstudie. Dabei wurde unter realen Aufführungsbedingungen geforscht und die Befragung war ein integraler Bestandteil der künstlerischen Arbeit. So lässt sich hier auch von einem wissenschaftlichen Feldexperiment sprechen.

Im Verlauf einer 2-wöchigen Ausstellung im Hamburger Gängeviertel beteiligten sich 100 Personen (Vpn) an der Befragung, die innerhalb der Klanginstallation durchgeführt wurde. Der Altersdurchschnitt der „Versuchspersonen“ lag bei 30,4 Jahren. 46% der Probanden waren selbst künstlerisch aktiv, 53% musikalisch aktiv und 25% der Vpn gaben an, weder musikalisch noch künstlerisch aktiv zu sein.

Diese Personen wurden in vier Gruppen unterteilt: professionelle Künstler & Musiker, nicht- professionelle Künstler & Musiker, künstlerisch bzw. musikalisch aktive Schüler & Studenten und sonstige Personen.

Gruppen

Gruppierung der Vpn nach künstlerisch- / musikalischer Aktivität

Die Versuchsteilnehmer wurden gebeten, ihr subjektives Erleben der Klanginstallation anhand von Fragebögen zu beschreiben. Dazu sollte die Atmosphäre anhand einer 62 Begriffe umfassenden Adjektivliste beurteilt werden.

Zunächst sollte untersucht werden, ob sich ein Zusammenhang zwischen den Urteilen der Probanden und den Einschätzungen des Urherbers der Installation zeigen ließe. Hier diente das einfache Kommunikationsmodell von Shannon & Weaver (1948) als Grundlage der theoretischen Überlegungen:

ShannonWeaver

Einfaches Kommunikationsmodell von Shannon (1948).
Quelle: Shannon, C. E.: A Mathematical Theory of Communication. The Bell System Technical Journal, Vol. 27, 1948

Durch den Vergleich der vom Künstler abgegebenen Bewertung (information source) mit den gemittelten Urteilen der Probanden (destination) sollte geklärt werden, ob die künstlerische Einschätzung bzw. Intention grundsätzlich mit dem Erleben der Besucher übereinstimmt, um so eine Antwort auf die Frage zu finden: „Kommt das rüber was sich der Künstler dabei gedacht hat“.

Ausgehend von der Hypothese, dass ein dem Künstlerurteil möglichst ähnliches Bewertungsprofil Ausdruck einer erfolgreichen Kommunikationskette sei, wurde anhand der Abweichung zum Künstlerurteil eine Rangfolge der einzelnen Bewertungsprofile ermittelt. Auf dieser Grundlage wurden die Probanden in fünf Klassen unterteilt, die im nächsten Schritt auf ihre Zusammensetzung hin analysiert wurden. So sollte überprüft werden, ob sich z.B. ein Zusammenhang zwischen subjektiver Wahrnehmung der Atmosphäre und der individuellen künstlerisch-musikalischen Tätigkeit nachweisen ließe.

Außerdem wurden die Ausstellungsbesucher vor und nach Begehen der Klanginstallation gebeten, eine Einschätzung der eigenen Befindlichkeit abzugeben, sodass geklärt werden konnte, ob sich der Besuch der hier untersuchten Klanginstallation statistisch relevant auf die Verfassung der Besucher auswirkte. Dazu sollte die eigene Stimmung anhand von zehn polaren Adjektivpaaren auf einer 7-stufigen Skala beurteilt werden.

Schließlich wurde, in Anlehnung an verschiedene in Hamburg durchgeführte musikpsychologische Untersuchungen der 1960er und 70er Jahre, der Versuch unternommen, die umfangreiche Adjektivliste mittels statistischer Verfahren (Clusteranalyse) auf wenige grundlegende Faktoren zu reduzieren. Auf diese Weise sollten elementare Komponenten identifiziert werden, die für die Wahrnehmung von Atmosphären als besonders charakteristisch anzusehen sind.