Projekt

In der Dissertion Die Klanginstallation. Ein interdisziplinäres Versuchslabor zwischen Kunst, Musik & Forschung werden verschiedene, für die Klanginstallation relevante Themen beleuchtet: Dabei geht es um musik- und kunsthistorische Entwicklungen, die den geistigen Nährboden für die Entstehung dieser jungen Kunstform lieferten, sowie um technologische, räumliche und ästhetische Aspekte, die zu einem grundlegenden Verständnis beitragen sollen. Außerdem erscheinen für die Konzeption und Durchführung der hier dokumentierten Rezeptionsstudie auch wahrnehmungspsychologische Gesichtspunkte als relevant.

Durch die Befragung von fünf Klangkünstlern sollte nach individuellen künstlerischen Strategien, Motiven und Intentionen gefragt werden. Zudem wurde in einem Feldexperiment die ästhetische Erfahrung der Rezipienten von Klangkunst eingehend untersucht. Dabei geht es um die Frage, wie die Klanginstallation von ihren Rezipienten wahrgenommen wird und ob sich die Intentionen des Künstlers, insbesondere der gewünschte emotionale Ausdruck, durch die klingenden Atmosphären dem Publikum vermittelt. Kann in diesem Sinne von erfolgreicher Kommunikation ausgegangen werden?

Ein Ausgangspunkt der Untersuchung ist die von dem Philosophen Gernot Böhme formulierte Idee der Atmosphäre, die er als Schlüsselkonzept der von ihm vertretenen Neuen Phänomenologie einführte. Nach Böhme handelt es sich bei der Atmosphäre um ein ganz alltägliches Phänomen, das aufgrund des Zusammenspiels der auf einen Rezipienten einwirkenden Reize hervorgebracht wird. Er bezeichnet die Atmosphäre dabei als quasi-objektives Zwischenphänomen: Es beschreibt eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Rezipient und Umweltreizen. Das individuelle Erleben der Atmosphäre werde also durch die subjektive Verfassung gefärbt, so Böhme.

Mit dem Begriff des ästhetischen Arbeiters bezeichnet Böhme die Experten der Atmosphäre, wie beispielsweise Innenarchitekten, Bühnenbildner oder auch den Klangkünstler. Solchen Praktikern spricht er eine besondere atmosphärische Kompetenz zu, eine besondere Befähigung zur Wahrnehmung und Gestaltung von künstlichen Atmosphären.

Dazu wurde eine eigene Klanginstallation entwickelt, die als Stimulus für eine explorative Studie verwendet wurde, um so die folgenden, sich aus der Theorie ergebenen, Fragestellungen experimentell zu validieren:

  • Können Atmosphären intersubjektiv ähnlich beschrieben werden? Und entsprechen diese Beschreibungen den Einschätzungen des Klangkünstlers? Könnte dann also von atmosphärischer Kommunikation gesprochen werden?
  • Haben Klanginstallationen eine Auswirkung auf die subjektive Befindlichkeit der Rezipienten?
  • Lassen sich bestimmte Komponenten der Atmosphäre identifizieren, die für deren Wahrnehmung charakteristisch sind?