Nanutek

Die als Versuchsumgebung für das durchgeführte Feldexperiment entwickelte interaktive Klanginstallation trägt den Titel „Nanutek“. Diese Arbeit wurde in einem Innenhof des Hamburger Gängeviertels als Teil einer Gruppenausstellung über den Zeitraum von zwei Wochen gezeigt. Der vorgefundene Ort wurde dabei nicht weiter verändert, es wurde lediglich die eigene Technik installiert.

Die Arbeit wurde mit einem 9-kanaliegen Wiedergabesystem realisiert. Vier Kfz-Stereosysteme mit getrennten Hoch- und Tieftönern, drei 4-Kanal Endstufen und ein Subwoofer wurden kreisförmig an und in den umstehenden Bäumen platziert. Als Schnittstelle für die Interaktion dienten sechs Ultraschall-Distanzsensoren sowie fünf Piezo-Pickups, die an den umstehenden Holzskulpturen sowie an verschiedenen in den Bäumen hängenden Platinen versteckt waren. Ausserdem wurde in den Bäumen ein Mikrophon aufgehängt. Die eingesetzte Technik blieb dabei für den Besucher weitgehend verborgen, nur einige Lautsprecher, die Ultraschallsensoren und das Mikrophon waren relativ schnell zu entdecken.

Nanutek Gui

Graphische Benutzer Oberfläche des zugrunde liegenden Max-Patches

 

Vier Klangerzeugungsmodule wirkten zusammen, um die spezielle akustische Atmosphäre der Klanginstallation zu generieren:

  • Als Basis des Klangraumes, als akustischer Teppich (oder in der Sprache der Filmmusik: als Atmo) dienten zwei flächige Klangtexturen. Diese wurden mittels eines Time-Stretching Algorithmus innerhalb eines bestimmten Ausschnittes als Schleife aus dem Arbeitsspeicher ausgelesen. Durch die Veränderung des Start- und Endpunktes der Schleife sowie durch die Veränderung der Wiedergabegeschwindigkeit rund um den Nullpunkt liessen sich mit drei zu steuernden Parametern feine bis drastische Veränderungen der resultierenden komplexen Klangfläche bewirken. Die Parameter waren jeweils einem Ultraschall­-Distanzsensor zugeordnet und wurden dynamisch modifiziert, sobald sich eine Person innerhalb der Reichweite der Sensorik bewegte.
  • Das zweite Element der Klangerzeugung war mit im Raum versteckten Piezo-Pickups verbunden. Schlug man etwa auf eine der Holztier-Skulpturen, oder berührte man eine der in den umstehenden Bäumen hängenden Platinen, erkannte der Computer das Überschreiten eines Schwellwertes und spielte zufällig ein Sample aus einer vorgegeben Auswahl ab. Dabei war für jeden Piezo eine individuelle Sammlung an Klängen vorgegeben.
  • Diese Klänge wurden an ein Granularsysnthesemodul geschickt, wo sie in Echtzeit zu kleinen „Schnippseln“ zerhackt wurden, um dann irgendwo im Radius des Lautsprecherkreises als eine sich durch den Raum bewegende „Klangwolke“ wieder zum Vorschein zu treten.
  • Das mittig über der Installation aufgehängte Mikrophon zeichnete das akustische Geschehen in der Installation fortwährend auf. Gleichzeitig wurde diese Aufnahme Tonhöhen-modifiziert und/oder mit veränderter Abspielgeschwindigkeit und mit einer zufälligen Verzögerung (zwischen 0 – 10 Sek.) auf einem der Lautsprecher wieder ausgespielt, so dass im Klangfeld ein Feedbacksystem entstand, das sich aus den Klängen der Installation, aus Lauten der Besucher sowie aus sich selbst heraus speiste.

 

Eine kurzes Demonstrationsvideo der Klanginstallation findet sich hier: