Ergebnisse

Hier sollen einige Resultate der Studie zusammenfassend vorgestellt werden. Für eine detaillierte Darstellung Forschungsergebnisse und eine ausführliche Beschreibung und Interpretation der Daten sei auf den Volltext der Dissertation verwiesen.

1.1. Adjektivlisten zur Beschreibung der Atmosphäre

Die Beurteilung der einzelnen Adjektive der gegebenen Liste erfolgte überraschend homogen. Dabei wurden einige Begriffe (z. B. experimentell oder steril) von den Versuchspersonen (Vpn) erwartungsgemäß wesentlich konsistenter eingeschätzt als andere (z. B. künstlich oder spirituell). Als Kennwert für die Streuung der Bewertungen einzelner Adjektive wurde die berechnete Standardabweichung herangezogen.

nanutekAtmoProfil

Bewertungsprofil der Adjektivliste (nach Score-Gruppen)

 

Vergleicht man die Einschätzung des Künstlers mit den Bewertungen der Probanden (arithm. Mittel), zeigt sich, dass die Einschätzung des Künstlers den gemittelten Urteilen der Befragten recht nahe kommt. Die stärksten Abweichungen treten bei der Bewerung der Begriffe entspannend, ergreifend, ernst, heiter, hell, lustig und steril auf.

Die gemittelten Bewertungsprofile, weisen einen deutlichen Gleichlauf zwischen Künstlerurteil (grau) und den Bewertungen der Versuchsteilnehmer auf. Dabei bezeichnen die unterschiedlich farbigen Graphen jeweils 20 Vpn, die anhand der Distanz ihrer Urteile zum Künstlerurteil in Gruppen (sog. Score-Gruppen) unterteilt wurden. Auffällig ist wie die letzte Gruppe (orange) von dem sonst recht einheitlichen Profilverlauf abweicht.

Als die gesamte Adjektivliste umfassenden Indikator für den Grad des Zusammenhangs zwischen den von den Vpn abgegebenen Urteilen zu den Einschätzungen des Künstlers, wurde ein Produkt-Moment-Korrelations­koeffizient (nach Pearson) von = 0,887 berechnet, sowie ein Spearman-Rho Rangkorrelations­koeffizient von rs = 0,879. Beide Werte sind auf dem Signifikanzniveau von 0,01 signifikant, so dass hier mit einer minimalen Irrtumswahrscheinlichkeit von einem starken, positiven Zusammenhang zwischen den Urteilen der Vpn und des Künstlers ausgegangen werden kann.

Im nächsten Schritt wurde die Zusammensetzung der einzelnen Score-Gruppen näher betrachtet. Hier zeigt sich, dass sich die von profefesseionellen Künstlern & Musikern abgegebenen Urteile in den ersten beiden Score-Gruppen konzentrieren. Während sich für die nicht-professionellen Künstler & Musiker sowie für die künstlerisch bzw. musikalisch aktiven Schüler & Studenten keine entsprechnenden Tendenzen ausmachen lassen, scheinen die Sonstigen, also weder künstlerisch noch musikalisch Aktiven, die Klanginstallation ganz anders als der Urheber erlebt zu haben.

Score-Gruppen1

Berufsverteilung innerhalb der Score-Gruppen

Es zeigt sich also, dass die Atmosphäre in der hier untersuchten Klanginstallation intersubjektiv relativ homogen erlebt und beschrieben wurde, und dass sich die Beschreibungen der Eindrücke mit dem vom Künstler intendierten Ausdruck weitgehend decken, so dass hier in der Tat von erfolgreicher Kommunikation ausgegangen werden kann. Dabei spielen die subjektive Vorbildung und musikalische bzw. kunstspezifische Präferenzen eine eher untergeordnete Rolle, hingegen erscheint die individuelle künstlerische bzw. musikalische Aktivität für die Einschätzung der Atmosphäre bedeutsam.

Zusammenfassend lässt sich in Bezug auf die hier untersuchte Frage schliessen:

  • Atmosphären werden intersubjektiv ähnlich beschrieben
  • Atmosphärische Kommunikation findet statt
  • Prof. Künstler & Musiker zeigen erhöhte atmosphärische Kompetenz

 

1.2. Zur Wirkung der Klanginstallation

Um der Frage nachzugehen, ob der Besuch der Klanginstallationen eine Auswirkung auf die subjektive Befindlichkeit der Rezipienten ausübte, wurden die Versuchsteilnehmer gebeten, vor und nach Begehen der Installation entsprechende Einschätzungen abzugeben.

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Befindlichkeit vor und nach Begehen der Klanginstallation (Gemittelt über 100 Vpn)

Der graphischen Darstellung ist zu entnehmen, dass sich die abgefragten Stimmungsparameter im Mittel nur geringfügig änderten. Dennoch konnte die Veränderung der Dimensionen ruhig – erregt, müde – hellwach und unkonzentriert – konzentriert als statistisch signifikant (Signifikanzniveau 0,01) errechnet werden, so dass hier kaum von zufälligen Änderungen ausgegangen werden kann.

1.3 Komponenten der Atmosphäre

In Anlehnung an verschiedene musikwissenschaftliche Untersuchungen der 1960er und 70er Jahre wurde eine Clusteranalyse über die Bewertungen der verwendeten Adjektivliste berechnet. Auf diese Weise wird es möglich, Zusammenhänge und Redundanzen zwischen einzelnen Adjektiven zu identifizieren und es lassen sich verschiedene Begriffe zu grundlegenden Komponenten oder Faktoren zusammenführen.

Die Ergebnisse der Clusteranalyse werden in Form sog. Dendrogramme ausgegeben

Die Ergebnisse der Clusteranalyse werden in Form sog. Dendrogramme ausgegeben

 

So konnten acht Komponenten identifiziert werden, die der Wahrnehmung von Atmosphären zugrundeliegen. Diese wurden benannt als: Interesse, deskriptive Wahrnehmung, Empfindung, positive Ausstrahlung, Irritation, Ruhe, negative Ausstrahlung und Desinteresse.

Dabei sollen diese nicht als die Komponenten der Atmosphäre propagiert werden. Sie sollen hier lediglich als ein Beispiel für eine mögliche Interpretation der Ergebnisse der durchgeführten Clusteranalyse angesehen werden und dienen der Optimierung künftiger empirischer Untersuchungen zu diesem Themenfeld.